der Reibeisenritter .





Das süße Himmelreich.


Nicht weit von dir gibt es ein kleines Dorf. Hier leben fleißige Weinbauern die ihre Häuser mit Efeu und roten Weinblättern zuwachsen lassen um sich vor der Sonne zu schützen und vor den Einblicken der Fremden.

Ganz schmale Gassen führen von Haus zu Haus bis hoch in die Weinberghänge. Dort rattern kleine grüne Traktoren den ganzen Tag und mit gebeugtem Rücken steht ein Weinbauer mit seine Frau bis spät in den Abend in den Reben, um die Käfer von den Blättern zu entfernen, die Weinstöcke neu festzubinden oder die grünen oder dunkelblauen Trauben abzuhängen. Wie nach Weihnachten, wenn der Weihnachtsbaum abgeschmückt wird von deinen Eltern.

Liebevoll werden dort die Beeren in geflochtene Körbe gelegt. Große Körbe, die schwer und schwerer werden bis zum Abend. Müde fahren sie dann mit ihrem Schmalspurtraktor zurück und hin und wieder verlieren sie bei der Abfahrt die eine oder andere Frucht, der nächste Weinbauer, der ebenso aus den Reben nach Hause möchte, überrollt die am Weg liegenden Weinbeeren, manchmal unbemerkt.

Ganz süß duftet dann die Luft, die bis ins Dorf strömt. Dort kriecht sie durch die gekippten Fenster und breitet sich in den bäuerlichen Stuben aus und zaubert Freude in die Gesichter der Dorfbewohner. Es sind fleißige friedliche Menschen die abends müde ins Bett fallen nachdem sie ihren Kindern noch Märchen und lange, sehr lange zurückliegende Geschichten erzählt hatten.

Und eine dieser Geschichten werde ich dir Morgenabend, wenn du im Bett liegst,
Erzählen.

”Die wundersamen Erlebnisse des Reibeisenritters.”


Fensteraugen.




 

Ich hatte dir von den fleißigen Menschen erzählt, in diesem kleinen Ort Himmelreich, von dem süßen Duft und von den blätterbunten Häusern.

Eines dieser Weinberghäuschen hat riesengroße Fensteraugen, die rechts und links mit schmalen weißen Schals eingefasst sind und unter dem Fenster hängen im Sommer Blumenkästen, mit leuchtendroten Geranienblüten die bei jedem kleinen Windstoß freundlich nicken.
Hinter diesem Fenster schweben Marionetten, sehr zur Freude der kleinen Kinder, die jeden Tag daran vorbei laufen, wenn sie zur Schule gehen. Große und kleine Gestalten die an Fäden hängen. Mit dem Blick nach draußen, um die Welt zu beobachten. Hier wohnt er, der Reibeisenritter, nein, er schwebt an Fäden, Tag um Tag, Woche für Woche, Monat um Monat. Mit dem Blick auf die Bewegungen, und er staunt und er schwebt.

Wenn im Frühjahr alles zum Blühen anfängt, die lachenden Kinder wenn sie zur Schule gehen oder in Richtung Schwimmbad, wenn der Sommer da ist. Und im Herbst wie sie springen und den bunten Blättern nachlaufen. Wie verwundert ist er, wenn sein Bauch warm wird von den letzten Sonnenstrahlen im Spätherbst die auf seine Rüstung fallen, und manchmal wünscht er sich so sehr, mit einem dieser Schlitten mitzufahren, die die Väter im Winter ziehen.

Abends dann, ganz heimlich, dann träumt er,
in diesem großen Fenster…
 

 

Sternschnuppen – Wünsche.


 




Wie lange hing er schon dort, in diesem Fenster verstaubt und grau. Niemand wusste es so genau. Ein armer trauriger Reibeisenritter, bis eines Nachts,
es war im Spätsommer, der nachtblaue Himmel voller Sterne hing. Seine Augen suchten den Mond, der ihm so vertraut war. ”Ach ” sprach er leise so für sich ” hätte ich einen Wunsch frei, ich würde gerne wie ein Menschenkind laufen und springen und die Welt erkunden. Lieber Freund Mond scheine mir und erfülle mir doch meinen Traum.”

Wie oft hatte er sich das schon in Gedanken gewünscht. Die Sterne am Himmel leuchteten und blitzten und plötzlich, fast unbemerkt, fiel eine Sternschnuppe vom Nachthimmel und der Reibeisenritter verlor den Halt und purzelte vom Fenstersims auf den Holzfußboden.

”Aua ” stöhnte er, ” das tat weh”, vorsichtig bewegte er das rechte Bein, dann das Linke,
”Nichts gebrochen, nur die Rüstung hat eine kleine Beule abbekommen.” Vorsichtig stellte er sich auf und betrachtete seine Hände.
Was er da sah, versetzte ihm zuerst einen Riesen Schreck, die Fäden waren weg. Er sah zu seinen Schuhen, auch dort kein Marionettenfaden und griff sich an den Kopf, nichts, Garnichts.

Und dann hörte er zum ersten Mal das Klopfen, laut gleichmäßig pochte es in der Rüstung.« Ich lebe, ich lebe wirklich. Mein allergrößter Wunsch hat sich erfüllt .«

Ganz hell klangen die Freudentränen, als sie auf seine Rüstung fielen und es klimperte blechern, als er sich auf den Holzstuhl setzte, weil ihm die Beine so zitterten vor Aufregung. Und dort saß er dann staunend bis zum Morgen bis…

Ja bis die Türe aufging ….

Aber davon erzähle ich dir Morgen ….

 

Unbemerkt ins Glück.




 

Natürlich hatte er nicht die ganze Nacht dort auf dem Hocker gesessen, er sah sich vorher um. Überall Ordner, Bücher, Schmöker und nochmals dicke Wälzer in den Regalen. Alle schön gestapelt und aufgestellt nach Inhalt, Lexikons, Duden, Romane rot- gold – gebunden, Krimis in Taschenbuchausgabe und Kinderbücher. Hier zog er sich die Märchen heraus, welch grausige furchterregenden Geschichten. Ein wenig weiter, Legenden und Bücher mit alten Sagen und dann lachte er, dass es in seiner Rüstung nur so schepperte, die hatten ja von ihm geschrieben . Na ja fast, aber die gezeichneten Bilder von den stolzen Rittern auf ihren schnellen Pferden und die Schlösser mit den hohen Türen, ja, daran erinnerte er sich.

Und so saß er und las, bis ihm die Augen zu fielen und träumte von dem schönen Burgfräulein. Auch von den Kämpfen mit Schild und Schwert und dem Festessen im Saal der prächtigen Burg.

Inzwischen war der Tag angebrochen. Die Vögel zwitscherten einen Morgengruß. Noch müde Autofahrer rasten zur Arbeit. Vor dem großen Schaufenster liefen die ersten Schulkinder mit ihrer Schultasche Richtung Schule. Gegenüber wurde die Mülltonne, nicht eben leise, auf den Gehweg geschoben. Immer noch schlief der Reibeisenritter und bekam von alle dem nichts mit.

So ganz langsam füllten sich vor dem Haus die Parkplätze und die Angestellten des Büros, betraten ohne sich groß umzusehen, den Buchladen. Die Türe hatten sie sperrangelweit offen gelassen. Frische Luft zwischen den alten Büchern und Ordnern frische Morgenluft und das Fenster gekippt, damit Durchzug entstand. Na und von der kühlen Morgenfrische war er dann hellwach.

Er sah sich um. Noch Niemand hatte ihn entdeckt. Die Köpfe der Mitarbeiter steckten hinter den Regalen oder an den Schreibtischen. Verdeckt von großen Bildschirmen der vielen Pc`s, die hier herumstanden. Dann kam das Müllauto laut lärmend, um die Mülltonnen zu entleeren .
Da machte er einen Satz .

”Raus hier so schnell wie möglich, bevor sie mich entdecken ” dachte er.
Seine Rüstung klapperte, doch keiner der Herrschaften, hatte ihn gehört, denn das Geräusch des Müllwagens war zu laut. Er sprang vom Hocker und war in Windeseile unbemerkt, durch die offenen Tür gerannt.

 


 

 

Jetzt wirst du dich Fragen ” ob er keine Angst hatte, so plötzlich draußen in einer fremden Welt.
Oh doch, er war sehr erschrocken, zumindest im ersten Moment” .

Das helle Sonnenlicht, viel heller als in dem neonbeleuchteten Büro mit den Vorhängen , die immer zugezogen wurden um die Bücher zu schützen und die Bildschirme der Computer. Er bekam einen gehörigen Schreck und versteckte sich mit einem großen Sprung erst einmal hinter einem Oleanderkübel und überlegte, in welche Richtung er denn laufen sollte.
Darüber hatte er sich bis jetzt noch gar keine Gedanken gemacht. Die Kinder liefen immer rechts am Fenster vorbei, ja, in diese Richtung.
Er rappelte sich auf, im Büro war die Türe wieder zugefallen. Von dort musste er nichts mehr befürchten. Niemand hatte entdeckt, das er weg war.

Er atmete tief durch.

Los.

Mit Kohldampf auf dem Weg zur Schule.






Irgendwann ging ihm die Luft aus....

Er hatte die Füße in die Hände genommen, sich nicht umgesehen und war gespurtet. An stehenden Autos vorbei, zwischen zwei Mülleimern durch, auf die andere Seite der schmalen Straße. Bis vor ein großes Schaufenster. Dort waren Backwaren ausgestellt, Körbe mit Brötchen, Bretzeln und anderen feinen Dingen und zum ersten Mal verspürte er bei diesem Duft, der aus der Türe des Ladens entwich, einen riesigen Hunger.

In sein Magen rumpelte es wie Donnergrollen und er hatte Angst man würde vielleicht etwas hören . Also hielt er sich die Ohren zu, doch es wurde nicht besser. Da ging die Türe des Bäckerladens auf und eine ältere Frau trat heraus, mit einer großen Tasche in der Hand aus der eine weiße Tüte blitzte. Nochmals öffnete sich die Türe, die Verkäuferin sah heraus ” Hallo Frau Blume sie haben ihren Geldbeutel vergessen”.

Frau Blume stellte die Tasche mit der großen Tüte ab und drehte sich zu der freundlichen Dame in der Türe um. ”Ich vergesse in letzter Zeit so viel, erst gestern habe ich … und sie erzählte und erzählte und steckte sich den Geldbeutel dabei in die Manteltasche. Der kleine Reibeisenritter wunderte sich über diesen nicht enden wollenden Wortschwall, dachte schon, er hört gar nicht mehr auf, bis sich die ältere Dame das Fahrrad griff.

Die Bäckereiverkäuferin war wieder in den Laden verschwunden und die Dame Blume fuhr ohne sich noch einmal zu bücken oder sich umzudrehen fort. Der Reibeisenritter stand immer noch dort und … die Tasche … auch.

Sie hat die Tasche einfach stehen gelassen, vielleicht, vielleicht ja für Ihn? Er überlegte, auf der anderen Straßenseite lief ein großer schwarzer Hund und hob an der Ecke sein Bein. Er sah zu ihm hinüber.

 



Da musste der Reibeisenritter nicht lange überlegen.
Bevor der Schwarze zu ihm kam und die Brotwaren entdeckte und ihn vielleicht, schnappte er sich die Tasche huckepack und setzte seinen Marsch Richtung Schule fort.

Zweisamkeiten.



 

 

Hinter der nächsten langen Kurve standen die Bäume dicht an dicht. Vögel zwitscherten in den Ästen. Hier fiel die Sonne schmal auf eine lange Fahrradreihe und genau gegenüber sangen Schulkinder. Weit war das Fenster offen und er konnte Haarschöpfe sehen in Braun und Schwarz und Rot und lachen war zu hören. Schule muss schön sein, dachte er sich und fasste die Tüte mit dem Brot noch fester an.

Frau Blume wird hier nicht wohnen und ihr Fahrrad sah er auch nicht, wie schade flüsterte er und lief in großen Schritten weiter bis er plötzlich vor einem kleinen Garten stand. Dort zwischen den Blumenreihen spitzten rote Zipfelmützen aus dem Grün. Kleine Gartenzwerge mit Pausbäckchen. Er stand staunend mit offenem Mund. Dann fasste er sich ein Herz und er rief den Zwergen zu: »Hallo ihr freundlichen Herren, weiß einer von Euch wo Frau Blume wohnt? »

»Na hier« tönte eine Frauenstimme von oben und sie strahlte« Na wer bist denn Du? »
Der kleine Reibeisenritter bekam vor Schreck einen Schluckauf und fiel vornüber auf die Nase, direkt auf die Tüte mit den Brötchen.

»Ich bin, ich wollte, ich habe,»
»Oh« sagte Frau Blume». Hast du dir weh getan? Entschuldige, ich wollte dir keine Angst einjagen, komm »sie half ihm auf »gehen wir ins Haus, ich hole ein Pflaster, du hast dich verletzt. Schau mal du blutest am Knie.«

»Sie haben Ihre Brottüte bei der Bäckerei vergessen » antwortete der Reibeisenritter »die wollte ich Ihnen bringen«.
»Das ist aber lieb von Dir« Frau Blume lächelte » ich vergesse in letzter Zeit so viel, was sagtest du, wie heißt du ? Aber komm jetzt erst einmal ins Haus » und sie fasste nach seinen Händen . Gemeinsam betraten sie den großen Wintergarten, hier standen so viele bunte in Blumentöpfe, das der kleine Reibeisenritter staunte.

»Setz dich doch dort hin » ich hole dir etwas zum Trinken und und … »Pflaster« sagte der kleine Ritter,« ich glaube, es hieß Pflaster».
»Na klar« Frau Blume verschwand durch die weit offen stehende Verandatür ins Haus. Jetzt hatte er Zeit sich ein wenig um zusehen. Über ihm schwebte ein Windspiel und sanfte Klänge erfüllten den sonnenwarmen Raum. »Wie schön es hier ist » sagte er laut zu sich . Da kam schon Frau Blume mit einem Glas Milch und dem Verbandsmaterial. »Zeig mir mal deinen Fuß». Dann packte sie den Koffer und leerte den Inhalt auf den Tisch.

»Oh ! Da ist er ja der Haustürschlüssel, ich muss ihn das letzte Mal versehentlich hier mit eingepackt haben, na so was. Ich suche ihn schon so lange, du scheinst mir Glück zu bringen kleiner Mann.« Das Pflaster war gleich aufgeklebt.

»Tut es noch weh? »Fragte sie ihn und hättest du nicht Lust mit mir zu Frühstücken, weißt du kleiner Mann, zu Zweit schmeckt es doch viel besser». Schnell war der Tisch gedeckt. Da saßen sie nun zusammen und ließen es sich schmecken.

Bis, ja bis … aber das kleine Lucy erzähle ich dir Morgen.© Chr.v.M.


 

 

 

 

 
 
 
Mit einem Wimpernschlag Deiner Zeit bewegst Du meine Welt.© Chr.v.M.
 
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